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Lebensgemeinschaft Feuchtwiese

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(von W. Schubert)

Viele Menschen verbinden den Begriff Feuchtwiese mit den ausgedehnten Grünländern des Münsterlandes und der norddeutschen Tiefebene und den dort beheimateten Brachvögeln und Uferschnepfen. Aber auch die Mittelgebirgsregionen beherbergen Feuchtwiesen, die zwar wesentlich kleinflächiger als im Flachland ausgeprägt sind, ihnen aber in ihrer faunistischen und floristischen Bedeutung in nichts nachstehen. 

Das Sauerland wäre ohne den Eingriff des Menschen wahrscheinlich überwiegend bewaldet. Mit der verstärkten Besiedlung des Sauerlandes durch sesshafte Menschen etwa 0 - 800 n. Chr. begann die Entwicklung der Waldlandschaft Sauerland zur Kulturlandschaft. Die Siedlungen wurden häufig in den Talungen angelegt. Durch Rodung und Waldweide wurden die Feuchtwälder zurückgedrängt. An ihre Stelle traten Ersatzgesellschaften, die mit diesen neuen Verhältnissen zurechtkamen. Zu nennen sind hier die Sumpfdotterblumenwiesen oder auch Groß- und Kleinseggenrieder aus verschiedenen Arten von Sauergräsern. Der Teil der Pflanzenarten der Feuchtwälder, welcher eine ständige Besonnung vertrug (Lichtpflanzen), breitete sich aus. Hierzu zählen z.B. Bach-Nelkenwurz (Geum rivale) und Sumpfdotterblume. Schattenpflanzen wurden seltener oder ganz verdrängt.

 Ursprünge unserer heutigen Feuchtwiesen sind wohl auch in den Biberwiesen zu sehen. Diese Tiere haben das Landschaftsbild der Talaue verändert und geprägt, bis der Mensch sie ausgerottet hat. Als Auslesefaktor trat neben den unbelebten (abiotischen) Faktoren auch noch der Biss des Weideviehs und verstärkt seit dem Mittelalter die Mähnutzung zur Bereitstellung des Winterfutters und der Streu hinzu. Lediglich Arten, die sich in den Bewirtschaftungsrhythmus einzupassen vermögen, können sich ausbreiten. Gleichzeitig werden sie aber von lästigen Konkurrenten befreit, die ihnen sonst das Licht wegnehmen. 

In den Mähwiesen setzen sich deshalb schnellwachsende Obergräser und Hochstauden, durch. Zu letzteren gehören der blaue Waldstorchschnabel (Geranium sylvaticum), der Schlangenknöterich (Polygonum bistorta) mit seinen rosafarbenen Blütenständen, die Trollblume (Trollius europaeus) mit ihren gelben, kugeligen Blütenköpfen und die Wald-Engelwurz (Angelica sylvestris). Letztere kann mit ihren großen, weißen Doldenblüten das Bild brachgefallener Waldbinsen-Wiesen bestimmen. Überhaupt gehören die artenreichen Feuchtwiesen zu den besonders bunten Wiesentypen, farbige Kleinode in einer zunehmend trister werdenden Landschaft.